Die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist – neben einem überkommenen Rollenverständnis – die zentrale Barriere für eine weiterreichende Integration von Frauen in das Erwerbsleben. Unternehmen befürchten noch immer, dass Frauen aufgrund von Schwangerschaften und Erziehungszeiten lange ausscheiden könnten und teure Fehlzeiten entstehen. Dabei werden die Kosten von schwangerschaftsbedingten Erwerbsunterbrechungen häufig überschätzt. Die direkten Kosten beschränken sich auf Lohn- und Gehaltsfortzahlungen während der Mutterschutzfristen und zwar auf die Differenz von Nettogehalt und Mutterschutzgeld der Krankenversicherung. Kleinbetriebe erhalten seit 1997 von den gesetzlichen Krankenkassen 100% der wesentlichen Arbeitgeberkosten erstattet.

Erziehungszeiten von Frauen verkürzen sich

Erwerbsunterbrechungen auf Grund von Schwangerschaften und Erziehungszeiten kommen weniger häufig vor als Unternehmen vielfach vermuten. Die Studien von Kaldewey & Küpper (1994) haben ergeben, dass auf 100 Beschäftigte im Durchschnitt ein bis zwei Frauen in der Elternzeit entfallen. Mit der zunehmenden Erwerbsorientierung von Frauen verkürzen sich auch die Erziehungszeiten. Rund 64% der Mütter mit minderjährigen Kindern waren gemäß Mikrozensus 2001 berufstätig.

Gerade hochqualifizierte Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit wegen Familienpflichten immer seltener. Und nur für sehr kleine Betriebe mit einer dünnen Personaldecke stellt der Ausfall einer qualifizierten Mitarbeiterin eine größere Herausforderung dar. Eine 1999 im Auftrag des Bundesministeriums für Frauen, Familie, Senioren und Jugend durchgeführte Untersuchung zeigt aber auch, dass sich in Kleinbetrieben vor allem bei hochqualifizierten Kräften die Länge der Erziehungszeiten zunehmend verkürzt.

Höheres Fluktuationsrisiko bei Männern

In kleinen und mittleren Unternehmen wiegt das Fluktuationsrisiko bei männlichen Fach- und Führungskräften unter Umständen schwerer als die begrenzten und kalkulierbaren Ausfälle von Schwangerschaften und Erziehungszeiten. Denn Männer wechseln für ihre berufliche Karriere sehr viel eher und häufiger den Arbeitsplatz als Frauen. Gleichzeitig steigt die Familienorientierung männlicher Fach- und Führungskräfte: Familie und Freizeit haben auch bei Männern einen wachsenden Stellenwert. Die unterstützende Hausfrau im Rücken der männlichen Führungskraft kann nicht mehr stillschweigend vorausgesetzt werden. Die veränderten Lebensformen und der Wertewandel bei Frauen und Männern machen innovative Formen der Arbeitszeitgestaltung und der Arbeitsorganisation erforderlich. Die Vollzeitnorm entspricht weder den gewandelten Lebensrealitäten und dem Wunsch der Beschäftigten nach mehr Zeitsouveränität, noch wird sie der Dynamik des Marktprozesses und seinen Flexibilitätsanforderungen gerecht.

Das reformierte Bundeserziehungsgeldgesetz

Um Vätern eine realistische Chance zu eröffnen, sich an Erziehungsaufgaben zu beteiligen, gewährt das neue Bundeserziehungsgeldgesetz Eltern einen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit während der Elternzeit. Das Gesetz ist am 01. 01. 2001 in Kraft getreten und gilt für Betriebe mit über 15 Beschäftigten. Beide Elternteile können die Erziehungszeit zur gleichen Zeit antreten. Sowohl Väter als auch Mütter können während ihrer Elternzeit bis zu 30 Stunden in der Woche erwerbstätig sein. So werden Qualifikationsverluste durch lange Unterbrechungen im Interesse der Betriebe und der Beschäftigten vermieden.

Chancen und Vorteile für Unternehmen

Eine familienbewußte Personalpolitik

  • steigert die Arbeitszufriedenheit und -motivation,
  • erhöht die Produktivität und Qualität,
  • reduziert Fehlzeiten und Fluktuationen
  • verbessert das Betriebsklima und
  • verspricht Vorteile im Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte.